05.10.2010

Facility Management 2010: Der Markt im Überblick

„Möglichmacher“ nennt sie ihr Fachverband: Facility Manager sind in Deutschland eine feste Marktgröße. Konzentration, Preisdruck und Professionalisierung bestimmen das aktuelle Branchenbild.

Der Betrieb und die Bewirtschaftung von Gebäuden, Anlagen und Grundstücken haben sich nicht nur neusprachlich, sondern auch am Markt etabliert: Facility Management (FM) ist Wachstumstreiber in Deutschlands Servicewelt – mit einem Anteil von 5 % am BIP.

Im Krisenjahr 2009 steigerten die Top-25-Unternehmen der Branche ihren Inlandsumsatz um rund 3,5 % auf 8,273 Milliarden Euro (2008: 8,003 Mrd.). Die Zahl ihrer Beschäftigten stieg auf 230.894 (2008: 219.949). Insgesamt arbeiten hierzulande über 4 Millionen Erwerbstätige im FM-Sektor. Für 2010 erwarten die Großen ein Plus im Gesamtumsatz von durchschnittlich 5,2 %. 2011 sollen es 6,5 % werden.

Nur wenige ausländische Dienstleister haben bisher dauerhaft den Sprung nach Deutschland geschafft, wie etwa der französische Caterer Sodexo. Umgekehrt engagieren sich deutsche FM-Anbieter verstärkt im Ausland, besonders in Osteuropa.

Einsame Spitze

Die vorderen Plätze im jüngsten Branchenranking teilen sich Tochtergesellschaften von Baukonzernen mit klassischen Infrastruktur-Dienstleistern, die aus der Gebäudereinigung hervorgegangen sind. Laut Lünendonk-Marktanalyse 2010 folgen auf den Marktführer Bilfinger-Berger FS die Dussmann AG, Strabag Property and FS, Compass/Eurest, Hochtief FM und Wisag Service. Unter den erbrachten Leistungen übertreffen die infrastrukturellen Services(z. B. Gebäudemanagement, Cleaning, Catering) die technischen (z. B. Wartung) und kaufmännischen (z. B. Personalvermittlung).

Trends im deutschen Markt

Trotz Wachstum muss die FM-Branche in den nächsten Jahren gleich mehrere Herausforderungen bestehen:

  • Preisdruck wird stärker. Verantwortlich sind die nachwirkende Wirtschaftskrise und bald auch die neue Arbeitnehmer-Freizügigkeit in der EU ab April 2011. Die Arbeitgeber denken ernsthaft über einen gesetzlichen Mindestlohn nach, um weiteres Preisdumping zu verhindern. Im Kampf um Marktanteile konkurrieren konzerninterne FM-Abteilungen mit externen FM-Anbietern.
  • Marktkonzentration nimmt zu. Auch wenn 2009 Fusionen und Übernahmen zurückgingen, bleibt bei den Konzernen die Bereitschaft zu attraktiven Zukäufen im In- und Ausland hoch. Kleinere Dienstleister werden sich weiter auf modulare FM-Services oder Einzelgewerke spezialisieren, um ihre Nischen gegenüber den Großen zu behaupten, die als System- bzw. Komplett-Anbieter auftreten. Mögliche Partnerschaftsmodelle müssen mit der Betreiberverantwortung in Einklang gebracht werden.
  • Kundenstruktur und Kundenansprüche ändern sich. Derzeit fragt vor allem die Industrie FM-Leistungen nach, gefolgt von Banken/Versicherungen und dem Gesundheitswesen. Danach kommen Energie, ITK und Handel. Künftig werden Health Care und die öffentliche Hand wohl mehr Geschäft bringen. Kunden wünschen immer öfter Komplett-Services. Sie drängen FM-Anbieter vermehrt zur Teilübernahme von Haftungsrisiken und machen strengere Auflagen in ihren Ausschreibungen.
  • Professionalisierung setzt sich fort. In Deutschland regelt seit Anfang 2007 die DIN EN 15221 Inhalte und Aufgaben im FM. Der Branchenverband GEFMA unterstützt mit eigenen Richtlinien ebenfalls den Prozess der Standardisierung und Qualitätssicherung. Durch Branchenreports, Wissenstransfer, Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit wird FM als branchenübergreifende Servicedisziplin weiterentwickelt.

Ausbildung und Forschung

Auch an deutschen Bildungsstätten ist FM mittlerweile ein Thema. Über ein Dutzend Universitäten, Fachhochschulen und private Institute bieten Bachelor- und Master-Studiengänge an. Wissenschaftlich geforscht wird beispielsweise zu Lebenszyklus-Kostenrechnung und Software-Programmen.

  • Definition Facility Management
    "Integration von Prozessen innerhalb einer Organisation zur Erbringung und Entwicklung der vereinbarten Leistungen, welche zur Unterstützung und Verbesserung der Effektivität der Hauptaktivitäten der Organisation dienen." (DIN EN 15221-1, 2007)
  • "Betrachtung, Analyse und Optimierung aller kostenrelevanten Vorgänge rund um ein Gebäude, ein anderes bauliches Objekt oder eine im Unternehmen erbrachte (Dienst-)Leistung, die nicht zum Kerngeschäft gehört." (GEFMA-Richtlinie 100, 1996)

 

  • Historie und Verbände
    Facility Management stammt aus den USA der 1950er-Jahre. Das erste namhafte FM-Unternehmen war die Pan American World Services: Als externer Dienstleister betreute sie die US-Airforce. 1989 wurde der erste deutsche Branchenverband gegründet: die GEFMA e. V. (German Facility Management Association), die heute in Bonn sitzt. Ende 2006 kam RealFM e. V. hinzu, ein gemeinsames Netzwerk für die Berufsgruppen der Real-Estate- und FM-Manager mit deutscher und internationaler Ausrichtung.

Text: Nikolas Kraemer

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