23.04.2012

Bitkom: IT-Ausgaben der Industrie steigen um 2,8 Prozent auf 27 Milliarden Euro

Die deutsche Industrie setzt verstärkt auf Informations- und Kommunikationstechnologien. Das berichtet der Hightech-Verband BITKOM. Nach Prognosen des Marktforschungsunternehmens Techconsult für den BITKOM steigen die Ausgaben der Industrie für Informations- und Kommunikationstechnologien im Jahr 2012 um 2,8 Prozent auf 27,3 Milliarden Euro. Damit entfällt etwa ein Viertel der gesamten ITK-Nachfrage von Geschäftskunden in Deutschland auf die verarbeitende Industrie. Darin enthalten sind Ausgaben für Hardware, Software und IT-Services sowie für Telekommunikations- und Internetdienste.

„Die IT ist der Turbo der Industrie“, sagte BITKOM-Vizepräsident Volker Smid zum Auftakt der Industriemesse in Hannover. „Intelligente Steuerungen von Maschinen oder Assistenzsysteme in Fahrzeugen sind heute die Grundlage für den Erfolg von ‚Made in Germany‘.“ Aus Sicht des BITKOM müsse die Digitalisierung der Wirtschaft und der Aufbau intelligenter Netze durch eine moderne Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik flankiert werden.

Den Prognosen zufolge wachsen die Ausgaben der Industrie für IT-Produkte (IT-Hardware, Software, IT-Dienstleistungen) im Jahr 2012 um 3,8 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Den größten Anteil machen mit 58 Prozent IT-Services aus, die Beratungsleistungen, Wartung und Outsourcing-Dienste umfassen. Dagegen sinken die Ausgaben für Telekommunikation um 0,5 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Der Grund sind sinkende Preise für Sprach- und Datendienste, was im produzierenden Gewerbe zu einer Entlastung von rund 85 Millionen Euro führt.

Wachstum von 6 Prozent im Markt für Embedded Systems

„Den Innovationsbeitrag der Informationstechnologie zum Erfolg der deutschen Industrie lässt sich am Boom eingebetteter Systeme ablesen“, sagte Smid. Eingebettete Systeme sind Mikrocomputer, die meist unsichtbar in Geräte, Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge integriert werden. Typische Beispiele sind der Airbag im Auto, der bei einem Aufprall ausgelöst wird, oder eine Maschine mit IT-Steuerung. Nach BITKOM-Prognosen wächst der Markt für eingebettete Systeme im Jahr 2012 in Deutschland um 6 Prozent auf 21 Milliarden Euro. In der deutschen Industrie arbeiten aktuell rund 265.000 Hard- und Software-Entwickler direkt an Embedded Systems. Hinzu kommen rund 45.000 Beschäftigte bei spezialisierten Anbietern in der ITK-Branche. Smid: „Eingebettete Systeme haben eine herausragende Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Aus Sicht des BITKOM wird sich die Digitalisierung noch einmal beschleunigen, was die deutsche Industrie vor neue Herausforderungen stellt. Der nächste Schritt sind so genannte Cyber Physical Systems. „Bisher autonom funktionierende eingebettete Systeme werden vernetzt und in die Cloud eingebunden“, sagte Smid. Das eröffne völlig neue Anwendungen zum Beispiel bei der Entwicklung digitaler Fabriken, in der Medizintechnik oder im Energiesektor. Zentrale Voraussetzung dafür sind moderne Infrastrukturen in den Bereichen Verkehr, Energie, Gesundheit, Bildung und öffentliche Verwaltung. „Der Aufbau intelligenter Netze muss politisch stärker flankiert werden“, sagte Smid. „Der Staat muss seine Rolle als Wegbereiter des digitalen Wandels aktiver wahrnehmen.“ Dazu zählen zum Beispiel die beschleunigte Einführung zusätzlicher Anwendungen der neuen Gesundheitskarte (u.a. elektronische Patientenakte), die Förderung von Investitionen in Smart Grids oder die Öffnung der Mautinfrastruktur für Mehrwertdienste. Der BITKOM hat seine Vorschläge in einem industriepolitischen Grundsatzpapier zusammengefasst, das im Internet abrufbar ist unter: http://www.bitkom.org/de/publikationen/38338_71972.aspx.  

Unternehmen haben Nachholbedarf bei IT-Sicherheit

Ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz neuer, digitaler Anwendungen in der Wirtschaft ist die Sicherheit der Systeme. „Mit der Anbindung bisher autonom agierender Systeme ans Internet entstehen neue Angriffspunkte. Sicherheit und Datenschutz müssen daher einen noch größeren Stellenwert in der Industrie bekommen“, sagte Smid. Laut einer repräsentativen Umfrage unter 506 Unternehmen aller Branchen betrachten 57 Prozent der Befragten Angriffe auf Ihre IT-Systeme von Hackern, Konkurrenten, Kriminellen oder ausländischen Geheimdiensten als reale Gefahr. Diese Befürchtungen sind nicht unbegründet, denn bei 39 Prozent der Unternehmen gab es bereits Angriffe oder ähnlich gravierende IT-Sicherheitsvorfälle. Die Folge: Fast die Hälfte (47 Prozent) der Unternehmen verzichtet aus Sicherheitsgründen auf bestimmte Transaktionen im Netz wie den Versand vertraulicher Dokumente per E-Mail oder Online-Bestellungen. Ein Drittel der Firmen räumt ein, dass sie beim Thema IT-Sicherheit noch Nachholbedarf haben und ein Viertel beim Datenschutz. „IT-Sicherheit ist zum Standortfaktor geworden“, sagte Smid. „Darin liegt auch eine Chance: Sicherheit und Datenschutz können zu einem Markenzeichen werden.“ (JS)

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