04.03.2011

Warum Steve Jobs erfolgreich ist und technikgetriebene Firmen scheitern

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Bildquelle: Gunnar Sohn

Wenn in Talkshows die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft seziert wird, sitzen dort in der Regel Geschäftsführer von Maschinenherstellern, Chemiekonzernen sowie Forschungsinstituten und diskutieren über Turbinen, Computerchips (also Hardware) und hocheffiziente Motoren. Aber wann geht es in solchen Runden um neue Marketingideen?

Um neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen? Wann um nachhaltige Designkonzepte und eine neue Architektursprache? In Deutschland werde als Innovation nur ernst genommen, was mindestens eine Schweißnaht, besser noch einen Motor hat, kritisieren die Wirtschaftswoche-Redakteure Sebastian Matthes und Roland Tichy.

Technik bleibe wichtig. Das betont auch der ehemalige SAP-Chef Henning Kagermann im Interview mit der Wirtschaftswoche: „Aber die Differenzierung findet verstärkt über Design, Service und maßgeschneiderte Kundenlösungen statt“, so der Chef der Deutschen Technikakademie. Die Bundesregierung würde nur 30 Millionen Euro zur Förderung von Dienstleistungen ausgeben. Dabei seien sie ein Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg. Mangelhaft sei zudem die Ausbildung an Universitäten. „So ist es kein Wunder, dass Deutschland keine kreativen Zerstörer wie Steve Jobs, Mark Zuckerberg, Larry Page, Sergey Brin oder Jeff Bezos hervorbringt“, bemerkt ITK-Fachmann Peter B. Záboji, Chairman des .Frankfurter After Sales-Spezialisten Bitronic.

Die technikgetriebene Politik vieler Firmen sei eine der Hauptursachen für die Innovationsmisere in Deutschland, kritisiert Záboji. Warum hat Apple einen so großartigen Erfolg? „Weil Steve Jobs von Anfang an Produkte auf den Markt brachte, die den Prinzipien der radikalen Vereinfachung entsprechen. Hier liegt auch die Ursache für den Streit mit den Computerfreaks und Ingenieuren, die sich fernab des Marktes einseitig für ihre technischen Obsessionen interessieren“. Kritiker von Apple reduzieren das auf die Geschlossenheit des Apple-Ökosystems von Endgeräten, Betriebssystem und Apps. Das Ganze führe zu einer Entmündigung und Infantilisierung der Nutzer. „Wer so argumentiert, kann ja weiter an irgendwelchen Computern herumschrauben, den Lötkolben schwingen und nächtelang an neuen Programmen schreiben. Für den Massenmarkt taugt diese Geisteshaltung nicht“, weiß Záboji. Andere Menschen seien froh, dass sich die Software und Hardware mittlerweile bedienen lassen, wie ein Kaffeeautomat. Geräte wie die Tablet-PCs seien ein Indiz für die technische Reife, die man mittlerweile in der Branche für Informationstechnologie und Telekommunikation erreicht hat. Man könne sie wie normale Haushaltselektronik ohne technisches Verständnis nutzen.

Ähnlich sieht es der Programmierer und Blogger Daniel Tenner: Seine Mutter benötige eine Möglichkeit, die Preise von Flugtickets rauszukriegen, den Wetterbericht zu lesen, auf Facebook zu gehen, Kinokarten zu kaufen, ihre E-Mails zu checken, ihn über Skype anzurufen und für tausend andere kleine Dinge, die nicht sehr schwierig und fordernd sind, weder für sie noch für das Gerät, das sie benutzt.

Den Computerveteranen und Medienwissenschaftler Gundolf S. Freyermuth http://www.freyermuth.com  erinnern die Simplizitätsvorwürfe gegen Apple an die heftigen emotionalen Widerstände, die Mitte der achtziger Jahre die ersten Macintosh-Computer und später auch die ersten Windows-Rechner mit einfacher Benutzeroberfläche und simpler Maussteuerung auslösten – vor allem bei DOS-Virtuosen, die ihre mühsam erworbenen Kursor- und Kommandozeilen-Kompetenzen und damit ihren exklusiven Hardcore-Guru-Status auf einen Schlag entwertet sahen.

Steve Jobs ist der perfekte vielleicht etwas zu perfektionistische Innovator, der permanent Technologien und Geschäftsmethoden auf den Kopf stellt und revolutioniert. Er kreiert nicht nur das Neue, sondern er organisiert es auch: „Um schnell zu sein, muss man so viele Zügel wie möglich in der Hand behalten — so wie Apple dies seit Jahren vormacht. Der Nachteil: zu viel Kontrolle, die ja aus guten Gründen kritisiert wird. Der Vorteil: ein iPhone und ein iPad, das es immer noch nicht gäbe, wenn der Apple-Chef so arbeiten würde, wie andere“, kommentiert der Design Thinking-Experte Andreas Frank vom Möglichmacher-Blog http://moeglichmacher.wordpress.com.

Die ITK-Branche sei nur dann ein Schrittmacher für den Massenmarkt, wenn sie sich konsequent an dem Credo der Einfachheit orientiert, so Aastra-Chef Jürgen Signer. Die Technologie werde immer komplexer – das dürfe aber nicht die Nutzerfreundlichkeit verschlechtern. „Die einfache Bedienbarkeit der Systeme, die wir anbieten, ist das wichtigste Kaufkriterium unserer Geschäftskunden. Das gilt vor allem für die Installation und für das User Interface. Was sich unter der Haube abspielt, ist die Sache unserer Entwickler und darf den Anwender nicht belasten“, sagt Signer.

Text: Gunnar Sohn

 

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